Luxus-Stiefel Italien: Hohe Mieten und teure Lebensmittel lassen ausländische Studenten bei 28 Grad Plus frösteln.
Auf italienisch zu fluchen, lernt man laut Stefanie D. am besten im Fußballstadion. Doch nicht nur ihr Italienisch hat sich nach einem Auslandssemester in Siena stark verändert.
Ein Land + zwei Mädels + sechs Monate = 7 000 Fotos und unzählige Erfahrungen: Ein Ergebnis, das sich für Stefanie und ihre Freundin Theresa trotz des bürokratischen Hürdenlaufes gelohnt hat. Die Italienisch-Studentinnen waren im Sommersemester 2008 sechs Monate lang in Siena, Italien, teilten sich ein Doppelzimmer in einer Dreier-WG und nutzten jede freie Minute zum Reisen.
Beim Anblick der Fotos aus dem sonnigen Süden kommt sogar im verschneiten Graz Urlaubsstimmung auf. Vor Michelangelos David zu posieren und alle Drehorte von „Das Leben ist schön“ zu besichtigen, gehörte für die Italien-Fans zum Pflichtprogramm. „Wir haben versucht, alle Sehenswürdigkeiten in unserem Reiseführer so ähnlich wie möglich zu fotografieren“, kommentiert Stefanie lächelnd eines der Fotos.
Entgegen des Vorurteils, während eines Auslandsemesters würde man neben der dortigen Nachtszene nichts lernen, war der Aufwand für das Studium in Italien laut Stefanie viel größer als daheim in Graz. „Nicht nur, was die Sprache angeht hat mir das Semester viel für mein Studium gebracht“, erzählt sie. „Wir mussten zum Beispiel in italienischer Kunstgeschichte eine so dicke Schwarte lesen“, erzählt die Blondine noch immer verblüfft und zeigt mit zwei Fingern eine Distanz von geschätzten acht Zentimetern.
Am Nervigsten sei die Bürokratie im Vorfeld gewesen, meint die gebürtige Kärntnerin. „Es ist nicht so, dass man alle Formulare bekommt und einfach ausfüllt. Alles kommt nacheinander“, erzählt sie. Fünf Kurse hatten die beiden gewählt. Kurz vor der Reise erfuhren sie jedoch, dass die Universität in Siena diese überhaupt nicht anbietet. Also noch schnell alle Kurse ändern und ab nach Italien. Doch dort wartet die nächste Überraschung: Die beiden mussten vor Ort abermals zwei Kurse wechseln. Dafür gab es dann bei der Anrechnung der ECTS-Punkte keine Probleme, beschwichtigt Stefanie sich selbst.
Leider sei Italien nicht nur schön und sehenswert, sondern auch sehr teuer. „Besonders für Lebensmittel muss man viel ausgeben“, kritisiert Stefanie. Allein die Miete in der WG hätte sie pro Person 300 Euro gekostet – für ein Doppelzimmer im fünften Stock, in dem zeitweise 28 Grad Celsius Zimmertemperatur herrschten, wie am fotografierten Thermometer zu sehen ist. „Bei dieser Hitze lernen zu müssen, war schrecklich!“ Stefanie schüttelt den Kopf, klickt schnell zum nächsten Foto und seufzt beim Anblick des Mittelmeers.
Erstaunlich sei, erzählt Stefanie etwas nachdenklicher, wie sehr man sich in einem halben Jahr verändern kann. „Ich war früher sehr ruhig, jetzt bin ich viel offener geworden. Ein Auslandsemester ist das Beste, um sich selbst besser kennenzulernen.“ Kurz in Gedanken versunken, trinkt Stefanie Drescher einen Schluck aus ihrer Tasse mit – natürlich – Cappuccino darin. Wie damals in den Cafés in Siena ...
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