Franz Paul Horn hat das dritte Semester seines Studiums in Paris verbracht. Im blank-Interview verrät er, welche Herausforderungen ein solches Auslandssemester bereit halten kann und was ihm der Aufenthalt in Frankreich gebracht hat.
Franz Paul Horn hat im Sommer 2009 das Bachelorstudium „Medienmanagement“ an der Fachhochschule St. Pölten abgeschlossen. Das dritte Semester hat er im Ausland verbracht, in Paris, um genau zu sein. Im blank-Interview spricht er über Herausforderungen und Erfahrungen, die ein solches Auslandssemester bereit hält.
FRAGE: Franz Paul, du warst im Wintersemester 2007/08 in Paris. Warum genau Paris?
Ich hatte mehrere Möglichkeiten, wollte aber unbedingt ins französischsprachige Ausland, hauptsächlich wegen der Sprache. Was liegt da näher, als nach Paris zu gehen? Außerdem gibt es dort eine Partnerhochschule meiner FH, die EBS (European Business School).
Hast du vor deinem Aufenthalt Französisch gesprochen?
Ich hatte im Gymnasium vier Jahre Französisch und auch an der FH habe ich eine Wahlpflichtfach belegt. Mein Niveau war aber grauenhaft, daher habe ich beschlossen, alles von Grund auf nochmal zu lernen. Ich habe dann in Paris einen Intensivsprachkurs belegt, bin also quasi ins kalte Wasser gesprungen und das ist das Beste, was man machen kann. Im Land selbst lernt man die Sprache so unglaublich schnell, auch, weil man viel motivierter ist. Und das Ganze macht auch richtig Spaß, weil man sofort Erfolge bemerkt. Jedes neue Wort, jeder grammatische Fehler, den man abschüttelt, macht einem das alltäglich Leben leichter. Zuerst freut man sich über ganz triviale Konversationen, langsam beginnt man mehr zu verstehen. Man hört sich gewissermaßen in die Sprache ein und nach einigen Wochen geht einem dann der Knopf auf – so war es zumindest bei mir.
Hattest du zu Beginn aufgrund deiner dürftigen Sprachkenntnisse irgendwelche Probleme?
Probleme – natürlich gibt es Probleme, wenn man die Landessprache nur schlecht spricht. Jede Frage nach dem Weg, jedes Telefonat zur Wohnungssuche, jede Konversation ist schwierig – aber genau darin besteht ja die Herausforderung. Bei jedem Gespräch muss man sich zuerst überlegen, wie man sich jetzt am besten ausdrückt, wie man seinem Gegenüber klar macht, was man will. Das verkompliziert natürlich vieles, aber genau weil es am Anfang so schwierig ist, bemerkt man sehr schnell Erfolge.
Wie ist es dir bei der Organisation deines Auslandssemesters gegangen?
Die Wohnungssuche war wirklich schwierig, aber das liegt wohl eher an Paris und an der angespannten Wohnsituation. Im Zentrum eine Wohnung zu finden, ist sehr schwierig und vor allem sind die Wohnungen dort wirklich teuer. Alles andere ist für Studenten meiner Meinung nach aber uninteressant. Deshalb muss man sich auf Kosten von 400 Euro aufwärts einstellen – das sind dann aber immer noch keine Paläste. Aus meinem Bekanntenkreis hat aber doch jeder noch irgendwie eine Wohnung gefunden, die okay war. Die Wohnungssuche war insgesamt sicher am zeitaufwändigsten – sonst hat es eigentlich keine großen Probleme gegeben.
Paris hat den Ruf, sehr teuer zu sein. Wie viel Geld hast du pro Monat ungefähr gebraucht?
Also Paris hat seinen Ruf zurecht – preislich ist es sicher keine Studentenstadt. Ich persönlich habe sehr viel Geld benötigt. Leider kann ich nicht genau sagen, wie viel es war. Aber alles in allem habe ich pro Monat sicher um einiges mehr als 800 Euro gebraucht. Am Ende waren meine Ersparnisse dann komplett aufgebraucht. Man lebt im Ausland allerdings auch anders als zuhause, zumindest mir ging es so. Da kommt es schon mal vor, dass man in kurzer Zeit relativ viel Geld braucht.
Hast du von irgendwelchen offiziellen Stellen finanzielle Unterstützung bekommen?
Die Unterstützung war in meinem Fall sehr umfassend. Einerseits erhielt ich vom Erasmus Institut (http://www.erasmus.at/) monatliche Raten – ich glaube, das waren so um die 260 Euro. Andererseits wurde ich auch aus den Fördertöpfen der Stadt Paris unterstützt. Dort gibt es eine Förderung für Mietwohnungen, die sogenannte CAF (Caisses d'Allocations Familiales) – damit bleiben die Mieten in der Hauptstadt zumindest einigermaßen erschwinglich.
Wer hat dir bei den alltäglichen Herausforderungen geholfen?
Eine Studienkollegin von mir war gleichzeitig dort und außerdem haben wir dann gleich am Anfang zwei deutsche Erasmus-Studenten kennengelernt – da haben wir uns dann natürlich gegenseitig geholfen. Außerdem gibt es viele nützliche Informationen auf den Websites der FH und der EBS. Bevor ich nach Frankreich gefahren bin, habe mich auch mit älteren Studenten unterhalten, vor allem mit denen, die schon einmal in Paris waren. Man muss einfach Augen und Ohren offen halten und zusehen, dass man sich so schnell wie möglich ein kleines Netzwerk aufbaut.
Welche positiven Erfahrungen hast du in Paris gesammelt?
Vor allem menschlich habe ich sehr positive Erfahrungen gemacht – ich habe so viele liebenswürdige Studenten aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt kennen gelernt, das wäre mir in Österreich wahrscheinlich nicht passiert. Dass die Franzosen sehr abweisend zu Ausländern sind, dieses Vorurteil hat sich nicht bestätigt. Mein Französisch war sicher nicht perfekt, aber mir wurde trotzdem überall geholfen. Ich glaube, man schätzt es auch in Frankreich, wenn sich jemand bemüht die Landessprache zu erlernen. Beeindruckend war es auch, zu sehen, wozu man in kurzer Zeit fähig ist und wie man mit Herausforderungen fertig wird, auch wenn man ganz auf sich allein gestellt ist. Besonders sprachlich war es wirklich schön, immer mehr und mehr zu verstehen, komplexere Themen diskutieren zu können – obwohl einem da und dort natürlich immer noch Fehler passieren. Wenn man eine Sprache lernt, inhaliert man ja gewissermaßen einen großen Teil der Kultur, man beginnt, Land und Leute viel besser zu verstehen.
Wie sieht es mit negativen Erfahrungen aus?
Da fällt mir jetzt eigentlich nichts ein. Naja, die Wohnungssuche war schon anstrengend, aber als negativ würde ich das auch nicht bezeichnen – das habe ich eher als Herausforderung gesehen.
Wenn du so zurückdenkst, was hat dir dein Auslandssemester gebracht?
Ich glaube nicht, dass man das so einfach festmachen kann. Ganz klar kann man sagen, dass ich mich nun sprachlich auf einem ganz anderen Niveau befinde – das ist mit vorher nicht zu vergleichen. Am Ende des Semesters habe ich wirklich fließend Französisch gesprochen und beinahe alles verstanden – das ist sicher ein Erfolg. Sonst macht einen so ein Aufenthalt sicher irgendwie reifer, man wird selbstständiger und traut sich danach auch mehr zu. Außerdem sieht man einmal, wie man Probleme anderswo anpackt und wie unterschiedlich verschiedene Kulturen – auch innerhalb Europas – manchmal sind. Ein ganz wichtiger Punkt ist, dass man sich auch fremden Menschen gegenüber öffnet. Ich habe in Paris viele Leute aus der ganzen Welt kennengelernt. Ein paar davon sind wirklich gute Freunde geworden, mit denen ich immer noch Kontakt habe. Und das nach mehr als zwei Jahren.
Würdest du anderen empfehlen ein Auslandssemester zu machen?
Ja, ganz klar. Jeder, der die Möglichkeit dazu hat, sollte es auf alle Fälle machen.
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